Nico Semsrott, Poetry-Slam-Profi, erzählt von seiner Arbeit, von Zugfahrten durch ganz Deutschland, von Kreativarbeit und seinem Workshop.

von Cynthia Spangenberg

Er ist groß, blond, und er lehnt sich entspannt auf einem der Sessel im ziemlich unordentlichen Info-Zelt zurück. Das Diktiergerät neben sich akzeptiert er problemlos. Kein Wunder, denn in seinem Beruf muss er ständig reden, und das vor Publikum: Nico Semsrott macht Poetry Slam.

Poetry Slam bedeutet, eigene Texte zu schreiben, kreativ zu sein und danach auf Bühnen zu stehen und besagte Texte vorzutragen. Aber nicht nur einfach so. Es geht um einen Wettbewerb zwischen mehreren Slam Poeten und am Ende gewinnt der, der bei den Zuschauern am besten ankommt.

Nico tourt für seine Auftritte durch ganz Deutschland. „Hauptsächlich lebe ich im ICE“, sagt er lakonisch, „sonst in Hamburg.“ Trotzdem reicht Poetry Slam nur so zum Überleben, gibt Nico zu: „Für mich ist es mehr eine Übergangsphase, danach möchte ich als Kabarettist arbeiten“, erklärt er.

Man merkt ihm seine Erfahrung durchaus an. Er lässt sich interviewen, als könnte er alles aus dem Ärmel schütteln, fast wirkt er gelangweilt in seiner Gelassenheit, auf jeden Fall routiniert.

Hier im Bodenseecamp leitet er – wie letztes Jahr auch – den Workshop „Kreatives Schreiben/Poetry Slam“. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Kreativen Schreiben. Die Kursteilnehmer lernen Methoden, um ihre Ideen umzusetzen. Bei den Ideen selbst sind sie ganz frei, „ich gebe ihnen nur Werkzeug mit.“ Und welche Rolle spielt da Poetry Slam? „Wir tragen unsere Texte einander vor, das ist alles.“ Also kein Wettkampf mit Publikum.

Poetry heißt – sauber aus dem Englischen übersetzt – Dichtung. Richtig gedichtet wird aber weder in Nicos Workshop, noch bei seiner Arbeit. Möglich wäre es schon, denn im Grunde ist alles möglich, von Comedy bis hin zu Kurzgeschichten. Echte Lyrik gab es aber nur in den Anfangszeiten des Poetry Slam.

Heute gilt: Hauptsache, auf der Bühne kommt es an. „Man muss seinen Text rüberbringen können“, sagt Nico. Eine ausführliche Vorbereitung auf einen Auftritt,,wie bei einem Theaterspieler, der seinen Text auswendig lernt, sei nicht zwingend nötig. Man könne auch einfach auf die Bühne gehen, ohne seinen Vortrag auch nur einmal geübt zu haben. Nico jedenfalls weiß, warum er Poetry Slam macht: „Man bekommt ein direktes Feedback vom Publikum, man merkt, ob ein Text gut ankommt oder nicht“, sagt er, ein bisschen nachdrücklicher als sonst, „und man kann einfach so neue Sachen ausprobieren.“

Es scheint Nico wirklich zu gefallen in seinem Beruf: Fragt man ihn, was er tun würde, wenn morgen die Welt unterginge, hat er keine besonderen Wünsche. „Einfach das, was ich sonst auch mache. Ich bin zufrieden.“ Was auch sonst? Schließlich macht er täglich etwas Besonderes.

 

 

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